Private Kranken­versicherung: Wie berechnen sich die Kosten?

Paar wird über PKV Kosten beraten

Kennen Sie das? Je mehr Sie verdienen, desto mehr müssen Sie an die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zahlen. Bei der privaten Krankenversicherung (PKV) ist es dagegen unerheblich, wie hoch Ihr Einkommen ist. Die Kosten hängen stattdessen von den gewünschten Leistungen, Ihrem Alter und Ihrer Gesundheit ab.
 

Welche Faktoren beeinflussen die Kosten für die PKV?

In der privaten Krankenversicherung hängen die Kosten wesentlich von drei Faktoren ab:
  • Alter
  • Gesundheit
  • Leistungsumfang
Dabei beeinflussen sich Ihr Alter und Ihre Gesundheit oftmals gegenseitig. Denn je jünger Sie sind, desto unwahrscheinlicher ist, dass Sie eine schwere Erkrankung hinter sich haben oder bereits über körperliche Beschwerden klagen. Beides erhöht das Risiko einer ärztlichen Behandlung. In der Regel gilt daher: Je jünger Sie sind, desto günstiger ist die private Krankenversicherung.
 
Sind Sie bereits älter, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass Sie früher oder später einen Arzt aufsuchen werden. Zudem verursachen ältere Versicherte deutlich höhere Gesundheitsausgaben als jüngere.
 
Entscheiden Sie sich außerdem beispielsweise erst mit Mitte 40 statt mit Mitte 30 für die private Krankenversicherung, bleibt Ihnen weniger Zeit, um sogenannte Altersrückstellungen aufzubauen. Diese Rückstellungen zahlen Sie mit Ihrem monatlichen Beitrag und federn altersbedingte Kostensteigerungen Ihrer privaten Krankenversicherung ab. Junge Privatversicherte haben dabei mehr Versicherungsjahre vor sich, um diese Rückstellungen anzusparen, als bei einem späten Versicherungsabschluss.

 

Welche Bedeutung hat der Beruf für die PKV-Kosten?

In der privaten Krankenversicherung entscheidet zudem Ihr Beruf indirekt, welche Kosten für Sie entstehen:
 

Beamte
Beamte erhalten von ihrem Dienstherrn Beihilfe in Höhe von 50 Prozent bis 80 Prozent und müssen so nur die verbleibenden Gesundheitskosten privat absichern. Ihnen bieten die Versicherer günstige Beihilfe-Tarife.
Arbeitnehmer
Arbeitnehmer, die sich privat krankenversichern können, erhalten vom Arbeitgeber einen Zuschuss zur Krankenversicherung, der in der Regel 50 Prozent beträgt. Sie zahlen daher nie die kompletten Kosten selbst.
Selbstständige und Studenten
Selbstständige und Studenten erhalten keine Unterstützung. Gerade Studierende können jedoch aufgrund ihres jungen Alters eine günstige private Krankenversicherung abschließen. Auch Selbstständige finden mit einem individuellen Vergleich schnell und unkompliziert einen Anbieter mit dem für sie besten Mix aus Preis und Leistung.
 
 

Wie setzen sich die Kosten für die private Kranken­versicherung zusammen?

Abhängig von den Leistungen, die Sie sich von Ihrer private Krankenversicherung wünschen, und Ihrem Gesundheitszustand splittet sich der Beitrag in drei Teile auf: Der Risikoanteil wird dabei für die Krankheitskosten verwendet, der Sparanteil für die Altersrückstellungen und schließlich der Verwaltungsanteil für die Kosten, die der Versicherung entstehen.
 
Dabei unterscheiden sich die Anbieter teils deutlich. So wirtschaften manche von ihnen besser, was sich positiv auf den Sparanteil auswirkt. Andere Versicherungsunternehmen haben dagegen einen schlanken Verwaltungsapparat, was wiederum zu niedrigen Verwaltungskosten führt.
 
Wie stark in der privaten Krankenversicherung die Kosten schwanken können, zeigt ein Test von Focus-Money aus dem Sommer 2017. Bei vergleichbarem Leistungsniveau beträgt der Monatsbeitrag beim günstigsten Anbieter 323 Euro für den 35-jährigen Musterkunden. Der teuerste Krankenversicherer verlangt über 600 Euro. Tipp: Wenn Sie angestellt sind, bedenken Sie, dass Ihr Arbeitgeber Ihnen einen PKV-Zuschuss zahlt.
 
Welchen Einfluss das gewünschte Leistungsniveau dagegen auf die monatlichen Kosten hat, zeigt ein anderer PKV Test vom Handelsblatt aus dem Jahr 2018. Abhängig vom Umfang der Leistungen (beispielsweise Kostenerstattung beim Zahnarzt, Anspruch auf Einzelzimmer und Chefarztbehandlung) teilten die Tester die Tarife in die drei Kategorien Grund-, Standard- und Topschutz ein. Die folgende Tabelle verdeutlicht, wie sich dabei der monatliche Beitrag des jeweils am besten bewerteten Anbieters ändert.
 

Grundschutz
Debeka – Tarif „NW“. Monatliche Kosten: 378 Euro
Standardschutz
Barmenia – „einsAprima+“. Monatliche Kosten: 484 Euro
Topschutz
Hallesche – „NK.Bonus“. Monatliche Kosten: 571 Euro
 
 

Warum steigen in der privaten Kranken­versicherung die Kosten?

Medizinischer Fortschritt und damit einhergehend modernere Behandlungsmethoden sowie eine alternde Gesellschaft führen dazu, dass die Gesundheitsausgaben sowohl in der GKV als auch in der PKV steigen. Dies zieht in beiden Krankenversicherungssystemen Beitragsanpassungen nach sich. Dabei zeigen Statistiken des PKV-Verbands, dass die Erhöhungen in der GKV zwischen 2008 und 2018 über denen in der privaten Krankenversicherung liegen. Dennoch sind es meist die negativen Berichte über drastische Beitragssprünge für Privatversicherte, die in den Medien zu lesen sind.
 
Der Grund hierfür ist unter anderem, dass die Versicherer an gesetzliche Vorgaben gebunden sind, wann sie die Kosten anpassen dürfen. Dies ist der Fall, wenn die Versicherungsleistungen des Tarifs mindestens fünf Prozent über dem ursprünglich kalkulierten Wert liegen. Während die Beiträge in der GKV demnach regelmäßig in kleinen Schritten angepasst werden, in dies in der PKV nicht möglich. Die Versicherungsunternehmen machen sich allerdings für eine Änderung der gesetzlichen Regelungen stark, sodass etwaige Beitragserhöhungen nicht mehr so sprunghaft ausfallen.
 
Ein weiterer Grund, warum die Kosten in der Krankenversicherung steigen können, ist der sogenannte Rechnungszins. Mit diesem werden die Altersrückstellungen verzinst. In Zeiten der Niedrigzinsphase sind jedoch nicht mehr die Zinsgewinne wie vor zehn Jahren möglich, sodass die Gewinne niedriger ausfallen. In der Folge sinkt der Zins. Damit die Rückstellungen jedoch auf gleichem Niveau bleiben, müssen Privatversicherte einen höheren Beitrag zahlen.
 
 

Was können Sie tun, um Ihren Beitrag stabil zu halten?

Sollte Ihr Beitrag für die private Krankenversicherung steigen, haben Sie verschiedene Optionen, diesen stabil zu halten:
 

  • Prüfen Sie Ihren Selbstbehalt. Je mehr Sie bereit sind, für Behandlungen, Medikamente und Co. aus der eigenen Tasche zu zahlen, ehe Ihre Krankenversicherung einspringt, desto geringer sind Ihre Kosten für den Versicherungsschutz.
  • Prüfen Sie Ihre Leistungen. Gegebenenfalls sieht Ihr Tarif Kostenerstattungen vor, die Sie nicht brauchen. Diese können Sie abwählen. Aber Achtung: Einmal gestrichene Leistungen werden nur gegen eine erneute Gesundheitsprüfung wieder in den Vertrag aufgenommen.
  • Prüfen Sie einen Tarifwechsel. Oftmals bieten die Versicherer mehrere Tarife mit gleichem Leistungsniveau an. Bei einem Wechsel beim gleichen Anbieter gehen weder Ihre Rückstellungen für das Alter verloren noch müssen Sie erneut Gesundheitsfragen beantworten.
 
Tipp: Lassen Sie sich bei der Suche nach der für Sie besten Krankenversicherung von einem Versicherungsexperten unterstützen. Dieser kennt sich nicht nur mit typischen Stolperfallen bei der Anbieterwahl und beim Vertragsabschluss aus, sondern kann Sie auch über besonders beitragsstabile Versicherer informieren.
 
 
 

Welche Tarifarten gibt es in der privaten Kranken­versicherung?

Neben den normalen Angeboten mit unterschiedlich umfangreichem Leistungsumfang gibt es in der privaten Krankenversicherung drei weitere Tariftypen:
 

Basistarif
Sollte Ihr Beitrag im Alter so stark steigen, dass dieser zur finanziellen Belastung wird, können Sie in den Basistarif wechseln. Dort werden Ihnen die gleichen Leistungen wie in der gesetzlichen Krankenversicherung geboten. Der Beitrag ist zudem auf den Maximalbeitrag der GKV gedeckelt. 2018 entspricht dieser rund 690 Euro monatlich. Wichtig: In diesen Tarif dürfen Sie nur wechseln, wenn Sie 55 Jahre und älter oder hilfebedürftig im Sinne des Sozialrechts sind.
Standardtarif
ieser Tarif richtet sich an langjährig Versicherte, die vor dem Jahr 2009 in die PKV gewechselt sind. Auch hier gleichen die Leistungen denen der gesetzlichen Krankenversicherung und der Beitrag ist begrenzt (2018: 646 Euro im Monat).
Notlagentarif
Können Sie Ihre Beiträge nicht mehr zahlen, rutschen Sie in den Notlagentarif. Dort erstattet Ihnen Ihr Versicherer die Behandlungskosten nur noch bei akuten Erkrankungen und Schmerzzuständen. Die Kosten sind vergleichsweise niedrig, sodass Sie die Möglichkeit haben, Ihre Beitragsschulden zu begleichen und in einen Normaltarif zurückzukehren.